Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet Betreiber von Querbauwerken zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern. Für bestehende Wehre und Abstürze bedeutet das oft eine Nachrüstung mit Fischaufstiegsanlagen oder den Rückbau nicht mehr benötigter Bauwerke. In der Praxis stellt sich die Frage, welche Bauweise unter den gegebenen hydraulischen und platztechnischen Randbedingungen die höchste Effizienz bei vertretbaren Kosten bietet.
Raugerinne und Umgehungsgerinne haben sich bei geringen Höhendifferenzen bewährt. Sie benötigen jedoch ausreichend Platz entlang des Ufers. Bei beengten Verhältnissen kommen vertikale Schlitzpässe oder Beckenpässe zum Einsatz. Entscheidend ist die Anpassung der Bemessung an die Zielarten – in norddeutschen Fließgewässern sind das vor allem Lachs, Meerforelle und Aal. Die hydraulische Modellierung vor Ort liefert die Grundlage für die Wahl des Typs und die Dimensionierung der Ein- und Auslaufbereiche.
Ein Fallbeispiel aus Schleswig-Holstein zeigt, wie an einem bestehenden Wehr mit einer Fallhöhe von 2,8 Metern ein kombinierter Becken-Schlitzpass installiert wurde. Die Bauzeit betrug sechs Wochen, die Kosten lagen bei rund 180.000 Euro. Die erste Erfolgskontrolle nach einem Jahr wies eine Nutzung durch 14 Fischarten nach, darunter die Zielart Meerforelle. Solche Ergebnisse bestätigen, dass eine technisch durchdachte Lösung auch im Bestand wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll umsetzbar ist.